3.739. So viele Läuferinnen und Läufer blieben beim Berlin-Marathon 2026 unter drei Stunden. 1.330 mehr als im vergangenen Jahr, ein Plus von 55,2 Prozent. Das ist für uns eine der interessantesten Zahlen dieses Berlin-Marathons. Natürlich können wir uns über die 2:02:50 von Guye Adola freuen und über Tigst Assefas 2:11:04 staunen. Aber diese Zeiten laufen nur ganz wenige Menschen auf der Welt. Die Drei-Stunden-Marke ist etwas anderes. Sie ist für viele ambitionierte Läufer ein echtes Ziel.

Wer einmal versucht hat, unter drei Stunden zu laufen, weiß auch, warum. 4:15 Minuten pro Kilometer klingt zunächst nicht nach einem Höllentempo. Zehn Kilometer in diesem Tempo sind für einen gut trainierten Läufer machbar. Auch nach 20 Kilometern sieht die Welt noch ordentlich aus. Aber 42,195 Kilometer mit praktisch keinem Spielraum zu laufen, ist eine ganz andere Geschichte. Irgendwann zwischen Kilometer 30 und 40 wird aus einem kontrollierten Tempolauf ein Marathon.

Jahr

Sub-3-Finisher

Anteil am
ausgewerteten Feld*

Veränderung
zum Vorjahr

2024

4.578

8,5 %

–

2025

2.409

5,0 %

−47,4 %

2026

3.739

7,5 %

+55,2 %

*Vergleichbare Auswertung von Sub3 Marathon.

2025 war der Ausreißer

3.739 statt 2.409. Das klingt zunächst nach einem gewaltigen Leistungssprung. War es aber natürlich nicht. Die Läufer in Berlin sind nicht innerhalb eines Jahres plötzlich 55 Prozent schneller geworden. Die Bedingungen waren deutlich besser. 

2025 waren die Bedingungen schwierig. Wärme und Sonne machen bei einem Marathon einen gewaltigen Unterschied, gerade wenn man nicht um den Sieg läuft, sondern um eine konkrete Zeit. Wer auf 3:00 Stunden unterwegs ist, kann nicht einfach ein paar Minuten herausnehmen und sein Ziel trotzdem retten. Das Tempo muss stimmen, gleichzeitig steigt die Belastung, und Fehler bei der Renneinteilung oder Verpflegung rächen sich besonders auf den letzten Kilometern. Genau dort, wo ohnehin jeder Kilometer schwerer wird.

2026 passten die Voraussetzungen wieder besser. Und sofort ging die Zahl der Sub-3-Finisher nach oben. Von 2.409 auf 3.739 – das sind 1.330 Läufer mehr. Die Statistik ist deshalb ziemlich eindeutig: 2025 war der Ausreißer nach unten.

Allerdings sollten wir die Sache auch nicht größer machen, als sie ist. 2024 waren es in der vergleichbaren Auswertung sogar 4.578 Läufer unter drei Stunden. Berlin 2026 war also ein starkes Comeback nach dem schwierigen Vorjahr, aber noch kein neues Rekordjahr. Genau diese Einordnung geht bei der Schlagzeile „55 Prozent mehr Sub-3-Läufer“ schnell verloren.

Drei Stunden bleiben drei Stunden: Warum die Sub-3 so besonders ist 

Trotzdem bleibt die Zahl 3.739 bemerkenswert. Die Drei-Stunden-Marke hat im Marathon eine besondere Stellung, weil sie für viele von uns weit genug entfernt ist, um wirklich ein Trainingsziel zu sein, aber gleichzeitig nicht völlig außerhalb der eigenen Vorstellung liegt. Man kann sich vorstellen, was dafür nötig ist: regelmäßiges Training, lange Läufe, Tempoarbeit, eine vernünftige Marathonvorbereitung und am Ende ein Rennen, bei dem möglichst wenig schiefgeht.

Vor allem dürfen wir die ersten Kilometer nicht mit dem Marathon verwechseln. 4:15 fühlt sich am Anfang kontrolliert an. Genau darin liegt die Gefahr. Wenn wir bei Kilometer 10 feststellen, dass wir eigentlich 4:08 laufen könnten, ist das keine gute Nachricht. Es bedeutet nicht, dass wir einen fantastischen Tag erwischt haben. Es bedeutet möglicherweise nur, dass der Marathon noch nicht angefangen hat, weh zu tun.

Berlin ist für schnelle Zeiten gemacht und verführt genau deshalb dazu, zu schnell zu beginnen. Die Strecke ist flach, die Atmosphäre trägt, überall sind Gruppen unterwegs und die Uhr zeigt schöne Zwischenzeiten. Das Problem kommt später. Wer die ersten 25 oder 30 Kilometer zu viel Energie verbrannt hat, bekommt sie nicht zurück. Dann wird aus dem geplanten 2:59-Marathon schnell ein Kampf darum, überhaupt noch halbwegs vernünftig ins Ziel zu kommen.

Das ist keine neue Erkenntnis. Aber wir scheinen sie trotzdem jedes Jahr neu lernen zu müssen.

Berlin war auch an der Spitze schnell

An der Spitze wurde 2026 ebenfalls ordentlich Tempo gemacht. Guye Adola gewann den Berlin-Marathon in 2:02:50 und holte damit seinen zweiten Sieg in der Hauptstadt. Gemechu Dida lief 2:03:19, Gabriel Geay kam in 2:03:59 ins Ziel. Drei Läufer unter 2:04 zeigen, wie schnell dieses Rennen an diesem Tag war.

Noch interessanter war das Frauenrennen. Tigst Assefa ging nicht nach Berlin, um lediglich zu gewinnen, sondern griff den Weltrekord an. 15:30 über fünf Kilometer, 30:48 über zehn Kilometer und 1:04:57 im Halbmarathon zeigen, wie aggressiv sie das Rennen angegangen ist. Bei Kilometer 40 lag sie immer noch auf Kurs für die Weltrekordzeit von 2:09:56. Dann bekam sie Probleme mit dem rechten Bein und musste auf den letzten Kilometern deutlich Tempo herausnehmen.

Am Ende wurden es 2:11:04. Damit stellte Assefa einen neuen Streckenrekord auf und lief die drittschnellste Marathonzeit einer Frau überhaupt.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht nur die Zeit. Es ist auch die Erinnerung daran, dass selbst ein Weltklasse-Marathon bis Kilometer 40 nicht gewonnen ist. Wir kennen das natürlich in einer völlig anderen Größenordnung aus unseren eigenen Rennen. Aber das Prinzip bleibt gleich. Bis Kilometer 30 kann alles nach Plan laufen. Bei Kilometer 35 sieht es vielleicht immer noch gut aus. Und dann entscheidet sich, ob die Vorbereitung wirklich für das geplante Tempo gereicht hat.

Drei deutsche Läufer unter 2:10

Auch die deutschen Läufer waren in Berlin schnell unterwegs. Haftom Welday lief 2:08:25, Aaron Bienenfeld kam auf 2:09:18 und Sebastian Hendel auf 2:09:50. Damit blieben gleich drei deutsche Männer unter 2:10. Bei den deutschen Frauen war Anna Langerwisch mit 2:27:31 die Schnellste.

Natürlich sind diese Zeiten für die meisten von uns eine andere Welt. Trotzdem ist genau das der Reiz eines Rennens wie Berlin. Vorne geht es um Weltklassezeiten und Sekunden, weiter hinten vielleicht um die eine Minute, die darüber entscheidet, ob am Ende 2:59 oder 3:01 auf der Uhr steht. Die Strecke ist dieselbe, die Herausforderung im Kern ebenfalls: Wir müssen unsere Trainingsleistung über 42,195 Kilometer bringen.

Was bleibt von Berlin 2026?

Für uns sind deshalb die 3.739 Sub-3-Finisher am Ende interessanter als die reine Siegerzeit. Nicht weil Adolas 2:02:50 oder Assefas 2:11:04 weniger beeindruckend wären. Im Gegenteil. Aber die Sub-3-Zahl erzählt etwas über den Marathon, den die meisten von uns tatsächlich laufen.

Der Vergleich mit den vergangenen Jahren macht die Sache noch interessanter. 2025 waren es nur 2.409 Sub-3-Finisher, 2026 sind es 3.739 und 2024 waren es sogar 4.578. Die richtige Überschrift lautet deshalb nicht: „Berlin ist schneller als je zuvor.“ Dafür gibt die Statistik nichts her. Treffender ist: Berlin ist nach dem schwierigen Jahr 2025 wieder zu einem schnellen Marathon geworden.

Für uns bleibt dabei vor allem eines hängen: Gutes Training ist die Grundlage. Ohne lange Läufe, ohne Tempoarbeit und ohne die nötige Ausdauer hilft auch der beste Marathonmorgen nicht. Aber wenn die Form da ist, können die Bedingungen darüber entscheiden, wie viel davon tatsächlich auf der Uhr landet. Die 3.739 Sub-3-Läufer sind deshalb nicht 3.739 Läufer, die plötzlich besser trainiert haben als im Vorjahr. Es sind 3.739 Läufer, die ihre Leistung an diesem Tag unter deutlich besseren Voraussetzungen abrufen konnten.

Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf Berlin 2026 auch für jeden, der selbst an einer schnellen Marathonzeit arbeitet. Wir müssen nicht auf den ersten Kilometern beweisen, wie gut unsere Form ist. Entscheidend ist, dass wir sie nach 30 oder 35 Kilometern noch abrufen können. Dort wird aus einer guten Vorbereitung ein gutes Rennen – und dort entscheidet sich am Ende auch, ob aus dem Ziel „unter drei Stunden“ tatsächlich eine 2:59 wird.

Foto: SCC Events / Tilo Wiedensohler

*Quelle und Verweise:

  1. https://www.sub3-marathon.com/berlin-marathon-2026-sub-3-numbers-
    bounce-back-after-last-years-heat/
    *
  2. https://www.bmw-berlin-marathon.com/en
  3. https://worldathletics.org/competition/
    calendar-results/results/7235580

  4. https://www.generali-berlin-marathon.com/
    en/media-section/media-guide

  5. https://worldathletics.org/news/report/
    assefa-adola-berlin-marathon-2026

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