Wir Läufer lieben unseren Sport, weil er so unkompliziert ist: Schuhe an und los. Doch die Statistik ist leider gnadenlos. Ein Großteil von uns schlägt sich regelmäßig mit Verletzungen herum. Meistens denken wir dabei sofort an die Knie, die Hüfte oder die Achillessehne.
Was viele unterschätzen: Bis zu 20 % aller Läufer leiden unter Rückenschmerzen. Das liegt vor allem daran, dass dein Rumpf bei jedem Schritt Schwerstarbeit leisten muss, um dich stabil zu halten und die Aufprallkräfte abzufangen.
Das Schlüsselwort: Lendenlordose
Vielleicht hast du den Begriff schon mal gehört. Es beschreibt die natürliche Einwärtskrümmung deiner Lendenwirbelsäule (ein leichtes Hohlkreuz). Das Problem: Wenn diese Krümmung beim Laufen zu stark wird, entstehen Scherkräfte, die deine Wirbel und Bandscheiben extrem belasten. Und genau hier spielt das Gelände eine entscheidende Rolle.
Normale Lendenlordose vs. übermäßige Lendenlordose

Die Studie: Was passiert im Körper bei +/- 15 % Steigung?
Forscher haben in einer aktuellen Studie genau hingeschaut. 12 Freizeitläufer wurden mit 3D-Kameras und Elektromuskelmessung (sEMG) untersucht, während sie auf dem Laufband verschiedene Steigungen absolvierten – von ordentlichem Gefälle (-15 %) bis zu knackigen Anstiegen (+10 %).

Jedes grüne Kästchen zeigt eine der sechs Gradientenbedingungen. Der horizontale Balken im Kästchen zeigt das Durchschnittsergebnis für diese Bedingung. Die vertikale Größe des Kästchens stellt die Ergebnisspanne dar. Bei den Gefälleläufen (-15 %, -10 % und -5 %) nahm die Lordose zu. Auf der Ebene (0 %) war die Lordose neutral. Bei den Bergaufläufen nahm die Lordose ab.
Die Ergebnisse sind für dein Training extrem wertvoll:
1. Die "Falle" beim Bergablaufen
Wenn es bergab geht, neigst du intuitiv dazu, deinen Oberkörper leicht nach hinten zu lehnen. Das verstärkt deine Lendenlordose (das Hohlkreuz).
- Das Problem: Deine Rückenstrecker arbeiten bergab sogar weniger, was bedeutet, dass die Wirbelsäule weniger muskulär stabilisiert wird.
- Die Folge: Die Kombination aus hohen Aufprallkräften und fehlender Stabilität ist Stress pur für deinen unteren Rücken. Selbst wenn dein Puls niedrig bleibt, ist die mechanische Belastung für die Knochen und Sehnen enorm.
2. Der "Safe Space" beim Bergauflaufen
Bergauflaufen ist zwar anstrengend für Herz und Lunge, aber ein Segen für deinen Rücken:
- Die Haltung: Du lehnst dich automatisch nach vorne. Dadurch wird das Hohlkreuz reduziert und die Wirbelsäule in eine neutralere, sicherere Position gebracht.
- Der Auftritt: Du landest eher auf dem Mittel- oder Vorfuß, was die Erschütterungen dämpft, die bis in den Rücken schießen.
Was bedeutet das konkret für dein Training?
Wenn du zu Rückenschmerzen neigst oder gerade aus einer Verletzungspause kommst, kannst du dein Training clever anpassen:
- Bergauf ist dein Freund: Nutze Steigungen, um deine Kraftausdauer zu trainieren. Es ist biomechanisch "sicherer" für deine Wirbelsäule als flaches oder abschüssiges Gelände.
- Vorsicht beim Downhill: Wenn du Hügel läufst, versuche die steilen Bergab-Passagen eher an den Anfang deiner Runde zu legen, solange deine Muskeln noch frisch sind. Müde Muskeln können die Stöße schlechter abfangen.
- Laufband-Hack: Wenn du Rückenprobleme hast, stelle das Laufband auf eine leichte Steigung (3–5 %) und verzichte komplett auf die "Negative"-Einstellung.
- Core ist Pflicht: Ohne eine starke Mitte geht es nicht. Übungen wie Planks, Glute Bridges (Beckenheben) und gezieltes Training der Rückenstrecker sind deine Versicherung gegen Schmerzen.
- Dynamisches Warm-up: Spring nicht direkt aus dem Bürostuhl in die Laufschuhe. Mobilisiere deine Hüfte und aktiviere deinen Rumpf für 5 Minuten, bevor du losläufst. Deine Bandscheiben werden es dir danken!
Unser Tipp für dich: Beobachte mal bei deinem nächsten Lauf ganz bewusst, wie sich deine Beckenposition verändert, wenn es bergab geht. Versuchst du, aktiv gegenzusteuern, oder lässt du dich "reinhängen"?
Dein Core-Zirkel: Mache jede Übung für 45 Sekunden, gefolgt von 15 Sekunden Pause. Wiederhole den gesamten Zirkel 2 bis 3 Mal.
Der Klassiker: Unterarmstütz (Plank)
- Warum: Trainiert die gesamte vordere Kette und verhindert, dass du beim Laufen ins Hohlkreuz kippst.
- Achtung: Po fest anspannen und den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ziehen. Dein Körper ist eine gerade Linie.
Beckenheben (Glute Bridge)
- Warum: Kräftigt den Po und den unteren Rücken – deine wichtigsten Stoßdämpfer.
- Ausführung: Auf dem Rücken liegen, Füße aufstellen und das Becken kontrolliert nach oben drücken, bis Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden. Kurz halten und langsam tief gehen.
Der "Bird-Dog" (Diagonalstütz)
- Warum: Perfekt für die Rückenstrecker und die diagonale Stabilität, die du bei jedem Schritt brauchst.
- Ausführung: Im Vierfüßlerstand gleichzeitig den rechten Arm nach vorne und das linke Bein nach hinten strecken. Kurz halten, dann die Seite wechseln. Achte darauf, dass dein Becken absolut stabil bleibt.
Seitstütz (Side Plank) – pro Seite
- Warum: Stabilisiert dein Becken seitlich und verhindert das typische "Absacken" der Hüfte beim Laufen.
- Ausführung: Auf die Seite stützen (Unterarm), Becken hochdrücken. Wenn es zu schwer ist, die Knie anwinkeln und auf den Unterschenkeln stützen.
Dead Bug (Der "Käfer")
- Warum: Die beste Übung, um die Lendenlordose aktiv zu kontrollieren.
- Ausführung: Auf dem Rücken liegen, Arme und Beine in die Luft (90° Winkel). Jetzt langsam den rechten Arm und das linke Bein Richtung Boden führen – aber nur so weit, wie dein unterer Rücken fest auf der Matte gepresst bleibt!
Drei goldene Regeln für den Erfolg:
- Qualität vor Quantität: Es bringt nichts, 2 Minuten zu planken, wenn der Rücken durchhängt. Sobald du merkst, dass du ins Hohlkreuz fällst: Pause!
- Kontrolliertes Atmen: Halte niemals die Luft an (Pressatmung), sondern atme ruhig und tief weiter.
- Routine ist alles: Baue diesen Zirkel 2-mal pro Woche fest in deinen Alltag ein – am besten an lauffreien Tagen oder direkt nach einer lockeren Einheit.
Foto: KI-generiert
*Quelle und Verweise: sportsperformancebulletin.com
- BR J Sports Med . 2004 Okt;38(5):576-80
- Arch Intern Med. 1989 149(11):2565-8
- J Physiotherapy 2013; 59(4) 263-269
- J Sports Med Phys Fitness 1983. 23(1):14–22
- BMC Musculoskelet Disord. 2020 Jun 3;21(1):343
- Man Ther 2015. 20(4):553–557
- Clin Biomech 2010. 25(7):628–635
- J Athl Train 2007. 42(1):29–34
- Phys Med Rehabil Clin N Am 2016. 27(1):319–337
- Int J Sports Phys Ther. 2025 Aug 2;20(8):1186-1197
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